Das Buch zum Thema

Wenn Menschen durch einen Unfall, einen Schlaganfall oder aus anderen Gründen ins Wachkoma fallen, dann ist das für die betroffene Person sowieso, aber auch für die Angehörigen dramatisch.

Anders als beim plötzlichen Todesfall gibt es auch eine Trauerphase, diese wird aber gleichzeitig begleitet mit Phasen der Hoffnung und mit vielen organisatorischen und medizinischen Herausforderungen. Entsprechend gibt es auch nicht einen Abschluss der Trauerphase, in der das „normale“ Leben irgendwie weitergehen kann. Es muss ein neues Leben definiert werden. Man muss lernen, mit der Ungewissheit zu leben, ob die betroffene Person nun wieder aufwacht, stirbt oder eben im Zustand des Wachkomas bleibt.

Mein Bruder ist vor über 10 Jahren nach einem Verkehrsunfall ins Wachkoma gefallen und seitdem noch nicht wieder aufgewacht. Wir haben zwar Augenkontakt, aber das ist eben auch alles. Natürlich habe ich in diesen Jahren viele Bücher und Blogs im Internet zum Thema gelesen. Von Menschen, die wieder aufgewacht sind und von Angehörigen, die von der Pflege des Patienten berichten. Was ich nie gefunden habe, sind Berichte von Angehörigen, die nicht pflegen. Die wie ich als Schwester mit den ganzen Gefühlen, Sorgen, Ängsten und Hoffnungen beteiligt sind, die aber weder die Sonde reinigt, noch mit Ärzten oder Versorgungseinrichtungen verhandeln muss. Trotzdem hat sich mein Bruder verändert. Ich musste um den Bruder, den ich kannte trauern, einen neuen Bruder immer wieder in Ansätzen kennenlernen und mit meiner Hoffnung umgehen, dass da noch was Neues draus wird – was bisher leider noch nicht eingetreten ist.

IMG_3710Schreiben war und ist für mich eine hilfreiche Form, Emotionen für mich zu klären und von der Seele zu schreiben. Nach der ersten Zeit des Schocks nahm mein Tagebuch die Worte auf, nach 10 Jahren hatte ich das Gefühl, nach außen gehen zu wollen. Ich habe zunächst zwei Jahre lang immer mal wieder Artikel auf diesem Blog veröffentlicht. Aufgrund dieses Blogs und über Facebook habe ich mich auf die Suche gemacht nach anderen Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind. Und schon viele gefunden. Der Austausch war und ist jedesmal bewegend und fruchtbar. Nun entstand die Idee aus all diesen Erfahrungen und Geschichten ein Buch zu schreiben. Damit wir voneinander lernen können und vielleicht auch Trost finden.

Ich freue mich, wenn auch Du Dich an diesem gemeinsamen Buchprojekt beteiligen willst. Dies geht in vielfältigen Formen. Du kannst mir Deine Geschichte mit Deinem Wachkoma-Lieben aufschreiben, eine Anekdote beschreiben oder vielleicht auch in Gedichtform Deinen Emotionen freien Lauf lassen. Da diese Formen für die einen oder anderen vielleicht doch zu anspruchsvoll sind, habe ich außerdem ein paar Fragen aufgeschrieben, aus denen mit Deinen Antworten ein kleines Interview entstehen kann. Ob ich dabei für eine bessere Lesbarkeit nachher einige Interviews zu einer Art Gespräch mit mehrere zusammenfasse oder ob alle Interview hintereinander abgedruckt werden, dass entscheide ich, wenn ich alle Texte vorliegen habe.

Ganz wichtig: Einsendeschluss für Deinen Beitrag ist der 10.8.2016. Deinen Beitrag kannst Du gerne schicken an Monika.mann1235 at gmail.com. Herzlichen Dank!